Alle arztbesetzten Rettungsmittel in Bayern erhalten demnächst automatische Reanimationsgeräte. Die KVB weist aktuell auf Ihrer Homepage auf die Einweisungspflicht für diese Geräte hin.

Ein wichtiger Aspekt ist jedoch vorallem die Beatmung unter Nutzung dieser Geräte. In einem Editorial im European Journal of Anaesthesiology hinterfragten die Autoren des notfallmedizinischen Litertaturblogs News-Papers.eu in Zusammenarbeit mit Torsten Birkholz aus Erlangen und weiteren  Kollegen bereits vor einem Jahr die Beatmungsstrategie bei der Anwendung von solchen automatischen  Reanimationshilfen (Automatic chest compression devices – ACCD).

Bernhard M, Hossfeld B, Kumle B, Becker TK, Böttiger B, Birkholz T. Don’t forget to ventilate during cardiopulmonary resuscitation with mechanical chest compression devices. European Journal of Anaesthesiology 2016; 33: 553–6

Dabei wird zunächst auf die klare Empfehlung der ERC-Leitlinien 2015 hingewiesen, dass die routinemässige Anwendung von ACCD nicht empfohlen wird. Vielmehr werden dort folgende Indikationen für eine ACCD-Anwendung genannt:

  • persistierendes Kammerflimmern/pulslose ventrikuläre Tachykardie ohne Wiedereintritt eines spontanen Kreislaufes (return of sponteaneous circulation, ROSC) mit der Notwendigkeit eines Transportes in ein Krankenhaus
  • prolongierte Reanimationsdauer (z.B. Hypothermie, schwere Hyperkaliämie, Lungenembolie)
  • Wiederbelebungen in großer Höhe (z.B. hohe Belastung für die Retter)
  • Anwendung in Luftrettungssystemen oder bei Ambulanzflügen.

Bisher bestehen neben zahlreichen kleineren Studien drei große randomisierte Untersuchungen zum Thema der ACCD:

  • LINC (LUCAS in cardiac arrest, LUCAS 2 vs. manuelle Throaxkompressionen, n=2589)
  • PARAMEDIC (prehospital randomized assessment of a mechanical compression device, LUCAS 2 vs. manuelle Thoraxkompressionen) n=4471)
  • CIRC (Circulation improving resuscitation care, AutoPulse vs. manuelle Thoraxkompressionen, n=4753)

Zusammengenommen wurden in diesen drei randomisierten Untersuchungen über 11.000 Patienten behandelt: 5051 Patienten wurden mit ACCD und 6240 Patienten mit manuellen Thoraxkompressionen behandelt. Letztendlich konnte kein Nachteil (non-inferiority) der ACCD gegenüber manuellen Thoraxkompressionen nachgewiesen werden.

In keiner dieser drei o.g. großen ACCD-Studien wurde jedoch das Atemwegsmanagement explizit betrachtet. Daher besteht folgende Kritik:

  • Teilweise fehlen in den drei Studien Aussagen dazu wie das Atemwegsmanagement (zB endotracheale Intubation, supraglottische Atemwegs (ink. Larynxtubus, Larynxmaske) oder Maskenbeatmung) konkret gemacht wurde,
  • in wie vielen Fällen „ununterbrochene Thoraxkompressionen“ in eine Compression-ventilation (C:V)-Ratio von 30:2  bei ineffektiver Beatmung überführt werden mussten und vor allem
  • wie die Ventilation (etCO2) oder die Sauerstoffsättigung (paO2) prähospital, unter Transport in die Klink oder bei Klinikaufnahme war.

Essentielle Parameter, zur Beurteilung des Beatmungserfolges [inkl. Oxygenierung (paO2) und Ventilation (z.B. paCO2 oder etCO2] werden also in den ACCD-Studien nicht berichtet. Interessanterweise werden aber in vorab publizierten Studienprotokolle die Erhebung dieser Parameter erwähnt (z.B. CIRC-Studie: Lerner et al. Resuscitation 2011; 82: 294-299).

Vor dem Hintergrund der o.g. Limitationen der Studien und der Problematik, dass extraglottische Atemwege unter hohen Atemwegsdrücken (z.B. >20 cm H2O), wie sie bei Thoraxkompressionen auftreten, keine effektive Ventilation zulassen, stellt sich die Frage, ob die ACCD-behandelten Patienten möglicherweise unzureichend oder einfach nicht erfolgreich ventiliert und oxygeniert waren.

Auch bestehen nach den Reanimationsempfehlungen des ERC und der AHA der Jahre 2005, 2010 und 2015 keine klaren Hinweise zum Vorgehen bei Nutzung von ACCD im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation. Es finden sich aber Hinweise, dass beim Auftreten von Leckagen bzw. ineffektiver Ventilation eine C:V-Ratio von 30:2 gewählt werden sollte, dies führt also zu unterbrochenen Thoraxkompressionen. Entsprechend sollten bis zum Vorliegen weiterer Studienergebnisse bei der Anwendung von ACCD die Thoraxkompression für die Beatmung im Verhältnis 30:2 unterbrochen werden, um eine sichere Ventilation zu ermöglichen.

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