Home > Fachliteratur > Thierbach, A. (Hrsg.): Lexikon der Notfallmedizin

A. Thierbach (Hrsg.)

Lexikon der Notfallmedizin

Springer Verlag Berlin, 2002, 480 Seiten, 90 Abbildungen, € 24,95, ISBN 3/540/65798/3

Ein fünfköpfiges Autorenteam unter der Herausgeberschaft A. Thierbach hat ein 480 seitiges Lexikon mit 2 000 alphabetisch geordneten Begriffen aus dem Bereich der Notfallmedizin vorgelegt, was sich an alle richtet, die sich mit der präklinischen Versorgung von Notfallpatienten beschäftigen, wobei nicht zwischen Ärzten und medizinischem Assistenzpersonal unterschieden wird. Dieser weit gefächerte Adressatenkreis spiegelt sich auch in den erläuterten Begriffen wieder, die von hochdifferenzierten Notfalldiagnosen bis hin zu organisatorischen und logistischen Termin reichen. Ziel des Lexikons soll es sein, diese verschiedenen Adressatengruppen durch die Verwendung einer einheitlichen Terminologie einander näher zu bringen. Die Vielfalt von Begriffen, Definitionen und Termini soll nach einer festgelegten Terminologie dargelegt werden, die allerdings durchgängig nicht ersichtlich ist. Entweder beginnt die Darstellung mit einem Verweis auf verwandte Begriffe oder einer Definition. Die Ausführungen basieren auf verschiedenen Darstellungskonzepten und sind verschieden umfangreich, was sich durch die Vielzahl der konkurrierenden Begriffe und Beschreibungen von Prozeduren erklären lässt und damit die Lesbarkeit erschwert.

Während die Pharmaka nach den üblichen Darstellungsformen aufgeführt sind und damit auch sehr ausführlich ausfallen, sind andere Begriffe nur kusorisch beschrieben. Die Charakterisierung der Pharmaka und die Beschreibung der Erkrankungen sowie der Leitsymptome sind mit den gängigen notfallmedizinischen Algorithmen in Übereinstimmung, wobei die Zuordnung der erforderlichen Maßnahmen (Therapie) nur unvollständig erfolgt, was sich allerdings durch den Charakter des Lexikons erklärt. Die Visualisierung ist nicht durchgängig. Während für die Darstellung des Sellick-Handgriffes eine bildliche Darstellung über eine halbe Seite verwendet wurde, sind Reanimationsmaßnahmen z.B. bei Kindern überhaupt nicht visualisiert. Was den Umfang der ausgewählten Begriffe angeht, so wird jeder aus dem Bereich der Notfallmedizin einen solchen finden, der nicht in dem Buch aufgenommen wurde. Dies ist allerdings aus dem Zwang der Beschränkung eines Lexikons erklärbar. Auch lässt sich über einzelne Erklärung diskutieren, wenn z.B. eine „Notarztzentrale“ als die Vermittlungsstelle des ärztlichen Notdienstes bezeichnet wird. Schönheitsfehler sind, dass die zum Zeitpunkt der Herausgabe gültige Norm für Rettungsfahrzeuge fälschlich angegeben wurde.

Der Versuch zwischen einem notfallmedizinischen Lexikon und einem notfallmedizinischen Nachschlagewerk einen Mittelweg zu finden, ist nur teilweise gelungen. Die Gestaltung als Kittelbuch entspricht nicht dem primären Ziel, denn wenn das Lexikon zur Auffrischung von Informationen gedacht ist, wird man dies bestimmt nicht im Einsatz verwenden. Eine deutliche Abgrenzung zwischen den auf dem Markt befindlichen Manuals ist nicht sicher erkennbar. Zur besseren Orientierung und Verwendung fehlt ein Inhalts- bzw. Stichwortverzeichnis. Auch ein Verzeichnis der Abkürzungen wäre wünschenswert.

Das Lexikon der Notfallmedizin stellt einen guten Ansatz für ein Nachschlagewerk dar, muss aber noch weiter spezifiziert werden. Das Lexikon ermöglicht eine Information relevanter notfallmedizinischer Inhalte, mit vielen Querverweisen. Für den Nutzer setzt es nicht nur ein Grundwissen, sondern auch ein Lehrbuch zum Nachlesen voraus. Das Ziel, zu einer einheitlichen Terminologie in der Notfallmedizin beizutragen, ist bestimmt ein richtiger Weg. Es liegt nun an den Adressaten, ob die bereit sind diesen Weg mitzugehen.

P. Sefrin, Würzburg


Die agbn - Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte ist Mitglied in der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. (BAND) und Partner von Dr. Heinrich Hindelang - Zahnärzte Nürnberg, welcher unter anderem Implantologie in Nürnberg anbietet.
06.2.2012 12:15:24