Home > Fachliteratur > Bruck J., Müller F.E., Steen M.: Handbuch der Verbrennungstherapie

Bruck J. , Müller F. E., Steen M.:

Handbuch der Verbrennungstherapie

528 Seiten - ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 2002 - 99,00 €

ISBN 3-609-51800-6

Erstmals wird für den deutschen Sprachraum eine umfassende Darstellung der Verbrennungsmedizin vorgelegt. Bei der Behandlung von Brandverletzten hängt das erreichbare Ergebnis in hohem Masse davon ab, wie professionell die Erstversorgung und die nachfolgende klinische Behandlung ist. Entscheidende Fortschritte im Bereich der Beherrschung der Komplikation der Verbrennungskrankheit machen es heute möglich, dass Patienten auch mit Verbrennungen von 80% der Körperoberfläche in einem spezialisierten Behandlungszentrum eine reale Überlebenschance haben. Die multisystematische Schädigung des Brandverletzten erfordert eine interdisziplinäre Kooperation in der Diagnostik und Therapie. Über eine Verbesserung lebensrettender Maßnahmen hinaus, muss es letztlich das Ziel sein, Opfer schwerer Verbrennungen zu rehabilitieren und in die Normalität des Lebens zu entlassen. Inzwischen gibt es nicht nur eine Reihe von spezialisierten Behandlungszentren, sondern auch vor allem dort angesiedelte Spezialisten, die sich in der Vergangenheit hohe Verdienste um die Versorgung von Patienten mit Brandverletzungen erworben haben. Zu diesen gehören die drei Herausgeber, sodass sie auch die Garantie dafür bieten, nicht nur kompetente Aussagen zu dem vielschichtigen Problem der Versorgung zu machen, sondern auch die Gewähr bieten, neueste Kenntnisse aus diesem Bereich zu vermitteln.

Das Ziel des vorliegenden Buches ist es demnach auch, eine umfassende Darstellung der komplexen Verbrennungsfolgen und ihrer Therapie durchgehend von der Verletzung bis zur Rehabilitation zu geben. Dazu gehören Beiträge zur Erst- und intensivmedizinischen Versorgung, zu den Problemen der Infektion und Sepsis, sowie den immunologischen Auswirkungen. Dargestellt werden chirurgische Interventionen, Hautersatz, Lokalbehandlung und anaesthesiologische Maßnahmen. Eingegangen wird auch auf die Besonderheiten der speziellen Krankenpflege, der begleitenden Physio- und Ergotherapie und im Rahmen der Rehabilitationsmaßnahmen auf die sozialmedizinische und psychologische Betreuung, sowie die Begutachtung der Unfallfolgen. Auch der Arbeit von Selbsthilfegruppen ist ein gesondertes Kapitel ebenso wie dem Elektro- und Inhalationstrauma, den Erfrierungen und Epidermolysen gewidmet. Entsprechend der vielseitigen Problematik kommen neben Plastischen Chirurgen Autoren verschiedenster Fachrichtungen zu Wort: Anaesthesiologen, Pädiatrische Intensivmediziner, Mikrobiologen, Immunologen, Dermatologen, Orthopäden, Sozialmediziner, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Vertreter der krankenpflegenden Berufe und von Selbsthilfegruppen. 61 Autoren stellen damit das breite Spektrum der Versorgung in 42 Kapitel dar. Am Ende eines jeden Kapitels findet sich eine teilweise sehr ausführliche Literaturübersicht, die es dem Interessierten ermöglicht, sich weiter in das Thema einzuarbeiten.

Auch wenn der Schwerpunkt des Buches auf der klinischen Behandlung liegt, ist aus notfallmedizinischer Sicht die Frage der präklinischen Erstversorgung von besonderer Bedeutung. Hierzu finden sich in einigen wenigen Kapiteln konkrete Aussagen. Dabei wird entsprechend den neuen Erkenntnissen die in der Vergangenheit favorisierte Kaltwasserbehandlung außerordentlich kritisch gesehen. Kaltes Wasser soll nur zum Ablöschen brennender oder schwellender Kleidung eingesetzt werden. Für die Laienhelfer wird allerdings die Kaltwasserbehandlung noch relativ großzügig mit der sogenannten 20 — 20 Regel empfohlen, dass 20o C warmes Wasser über eine Zeit von 15 — 20 Minuten angewendet werden darf. Im Gegensatz dazu sollte bei großflächigen Verbrennungen nach dem Ablöschen gar nicht mehr gekühlt werden, da eine Unterkühlung unbedingt zu vermeiden ist. Diese Empfehlung resultiert aus der Tatsache, dass auch außerhalb der kalten Jahreszeit immer wieder Patienten mit rektalen Temperaturen unter 34o C, im extrem bis zu 30o C, eingeliefert werden. Bei der Infusionstherapie hat sich zwischenzeitlich die ausschließliche Volumensubstitution durch Elekrolytlösungen vorzugsweise Ringer-Laktat-Lösung durchgesetzt. Als praktischen Hinweis bezüglich des Punktionsortes erfahren wir, dass, da die Schuhe vor Verbrennungen schützen, sich oft eine Punktionsmöglichkeit der Fußvenen ergibt. Zur Berechnung der Infusionsmenge hat sich die Parklandformel durchgesetzt. Bei der medikamentösen Therapie wird die grundsätzliche intravenöse Schmerzbekämpfung und eine leichte Sedierung gefordert, wozu Ketamin und Midazolam empfohlen wird. Eine Lokalbehandlung der verbrannten Körperoberfläche am Notfallort wird weder für erforderlich noch für zweckmäßig gehalten. Der entkleidete Verletzte soll in eine metallisierte Rettungsdecke oder sterile Brandwundenverbandtücher eingeschlagen und vor weiterer Auskühlung geschützt werden. Die Anwendung spezieller Verbandsets für Brandverletzte ist möglich, jedoch aufgrund des hohen Preises vielfach nicht gerechtfertigt und bei kurzen Transportwegen auch nicht erforderlich. Der Transport des Verletzten soll in das nächstgelegene Krankenhaus erfolgen, wobei die Transportzeit zur ersten klinischen Einheit unter einer ½ Stunde liegen muss. Bezüglich der Verlegung in ein Brandverletztenzentrum wird auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (Leitlinie der AWMF 1999) verwiesen.

Ein weiteres Thema von präklinischem notfallmedizinischem Interesse ist die Akutversorgung des Inhalationstraumas, das eine erhebliche zusätzliche Schädigung des Brandverletzten darstellen kann. Die Wirksamkeit der Gabe von Dexamethason als Aerosol wird kritisch gesehen und eine Behandlung mit Bronchospasmolytika ohne Kortikoid bei der Behandlung bevorzugt. Vor der automatischen Annahme, dass bei einer Verbrennung des Gesichtes, auch ein intubationspflichtiges Inhalationstrauma vorlege, wird gewarnt, nachdem ein solches nur bei 20% der Verletzten sich nachweisen lässt.

In einem eigenen Kapitel wird über die besonderen Aspekte eines Massenanfalls von Brandverletzten berichtet. Hierbei sind eine Checkliste für die Planung der Massenanfall von Brandverletzten im Krankenhaus ebenso notfallmedizinisch relevant wie die Sichtungskatalogisierung. Der Anhang enthält die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, umfangreiche Daten zur Qualitätssicherung und ausführliche Angaben zu den Verbrennungszentren im deutschen Sprachraum.

Obwohl die Zielgruppe des Buches nicht primär der Notarzt und der Rettungsdienst ist, kann der Interessierte in diesem Rat und Hilfe für diese speziellen Notfallsituationen finden. Aus diesem Grunde kann es auch dieser Lesergruppe uneingeschränkt empfohlen werden. Der Preis ist zwar relativ hoch, doch bei dem Umfang und der Breite der Darstellungen dem Inhalt angemessen.

P. Sefrin, Würzburg

Die agbn - Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte ist Mitglied in der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. (BAND) und Partner von Dr. Heinrich Hindelang - Zahnärzte Nürnberg, welcher unter anderem Implantologie in Nürnberg anbietet.
06.2.2012 12:24:14